Unsere Photo Booth – das technische Setup

Photo Booth technisch

Photo Booth mit eigenen Mittel realisiert

Wie immer, wenn es um Fotografie auf unserer Hochzeit geht, bin ich als Bräutigam in der Verantwortung. Photo Booths, also kleine Boxen oder Ecken, an denen sich Gäste mit und ohne Brautpaar selbst fotografieren können, sind nun endgültig aus den USA zu uns herübergeschwappt. Eine große Anzahl an Hochzeitsfotografen bieten Photo Booths selbst gegen Aufpreis an, zudem haben sich zahllose Startups auf die Vermietung von Photo Booths spezialisiert. Da wir ohnehin großen Wert auf Do It Yourself legen und außerdem eigentlich alles, was man für eine Photo Booth benötigt, selbst besitzen, haben wir beschlossen: Ja, verdammt, wir wollen eine Photo Booth und haben dafür auch schon im Schloss ein Eckchen auserkoren. Und ja, wir machen den Scheiß das Ganze selbst! Ins Detail gehen wir dabei noch nicht, um die Neugierde unserer Gäste, von denen der eine oder andere dieses Hochzeitsblog liest, nicht zu befriedigen. Aber wie man auch als Hobbyfotograf recht problemlos eine Photo Booth zusammenstellt, verraten wir an dieser Stelle schon einmal. Details folgen nach der Hochzeit.

Vorüberlegungen

Es gibt neben professionellen Lösungen unterschiedliche Wege, eine Photo Booth zu bauen. Das hängt vom Budget, von vorhandenen Mitteln, Helfern und dem Willen ab, eigenes Equipment zu riskieren. Die Software-Seite werde ich an dieser Stelle zunächst aussparen – wer das nötige Kleingeld hat und auf komplexe und verspielte Lösungen steht, findet bei Patrick Ludolph einen ausführlichen Blogbeitrag hierzu, der mich auch zu diesem Beitrag inspiriert hat.

Die Minimal-Anforderung an eine Photo Booth:

  • Kamera mit möglichst lichtstarkem Objektiv
  • Stativ
  • Blitz
  • Fernauslöser
  • Drucker

Nun gibt es verschiedene Wege, die Bilder zu verarbeiten. Wir haben uns sehr schnell gegen Direct-2-print, also den Direktdruck entschieden. Der Grund dafür liegt in der zu erwartenden immensen Zahl an Ausdrucken in diesem Falle. Wir gehen den Umweg über die Tether-Funktion von Lightroom 5, um die Bilder direkt aus der Kamera zu holen, nachdem sie aufgenommen wurden. Anschließend wird direkt ein Preset darübergebügelt, und ein Verantwortlicher sichtet und druckt das Material.

Unser Photo Booth-Setup

Photo Booth Setup

Photo Booth Setup

Wir haben nun alles, was wir an Fotoausrüstung besitzen, gesichtet und haben daraus folgendes Setup entwickelt:

  • Nikon D7100 mit Nikkor 18-200mm/1:3,5-5,6 G ED VR, auf 18mm voreingestellt
  • Nikon IR-Fernauslöser ML-L3
  • Nikon SB-600 mit Stativ-Adapterplatte und Softbox zur Deckenausleuchtung
  • Manfrotto befree als stabiles Kamera-Stativ
  • Leichtes Cullmann-Stativ für das SB-600
  • Lightroom 5 auf Macbook
  • Canon Selphy CP760 inkl. Papier und Thermofolie für 150 Drucke

Der Aufbau sieht wie folgt aus: Die D7100 wird voreingestellt im manuellen Modus, die IR-Schnittstelle aktiviert. Der interne Blitz wird als Master mit Rote Augen-Reduktion eingestellt – das Ganze jeweils, weil unsere Fotoecke in Fensternähe liegt, einmal bei Tageslicht und einmal bei Nacht. Die Einstellungen werden jeweils auf C1 bzw. C2 abgelegt. Das Nikon SB-600 steht seitlich und wird mit Softbox schräg gegen die Decke ausgerichtet, es wird als Slave eingestellt. Die ersten Testbilder werden in Lightroom optimiert und diese Optimierungen als Preset angelegt.

Über die Tether-Funktion von Lightroom 5 werden alle Bilder via USB direkt auf die Festplatte gezogen und mit dem voreingestellten Preset bearbeitet. Für den Ausdruck der Bilder sind die Trauzeugen und ich zuständig – evtl. zu vorher festgelegten Zeiten, an denen sich die Gäste am Drucker treffen, die Bilder zum Druck auswählen und direkt fürs Gästebuch oder sich selbst nutzen können. Die Kulisse schafft vorab die Brautmutter – und das ist der Punkt, an dem ich keine weitere Infos verraten werde.

Dieser Aufbau hat einige Nachteile, die nicht unerwähnt bleiben sollen:

  • Er ist technisch aufwändig und kostspielig, wenn dafür erst Equipment angeschafft werden muss.
  • Der Ausrüstungswert ist auch bei großen Gästezahlen problematisch – nicht wegen der Diebstahlgefahr (es wird wohl kaum jemand Gäste einladen, bei denen die Gefahr besteht, dass sie einen beklauen), sondern der Übersichtlichkeit wegen. Je mehr Gäste, desto mehr ist die Ausrüstung gerade bei steigendem Alkoholpegel in Gefahr.
  • Der Bildpreis liegt bei Thermodruckern wie dem Canon Selphy (der astreine Bildqualität erzeugt) im Format 10×15 bei ungefähr 30 Cent. Wer 200 Gäste mit Bildern beglücken möchte, muss hier relativ tief in die Tasche greifen für Fotopapier und Thermofolie.
  • Es ist keine Self-Service-Lösung, sondern es müssen Personen dazu bestimmt werden, die sich um dieses Setup kümmern.
  • Für uns persönlich mit rund 50 vertrauenswürdigen und meist auch technisch versierten Gästen gehen diese Einschränkungen in Ordnung, sodass wir uns letztlich für diese Lösung entschieden haben. Der Vorteil dabei: Wir bekommen astreines Bildmaterial und können selbst steuern, welchen Schnappschuss wir uns evtl. für später aufheben. Im Gegensatz zu anderen Fotografen, die als digitalen Verbreitungsweg auf Dropbox setzen, nutzen wir unsere Wedpics-Seite hierfür – denn bei den meisten unserer Gäste dürfte die Dropbox ohnehin chronisch überfüllt sein. Die Vorzüge von Wedpics habe ich bereits in diesem Artikel angepriesen.

Eine etwas einfachere Lösung, die auch ohne Kabel auskommt, hat übrigens André Heinermann in einem Blogpost vorgestellt: er nutzt dafür eine Eye-Fi-Card und ein iPad für die drahtlose Bildübertragung.

Übrigens: Adina besitzt die Nikon Coolpix P6000, die zunächst als Kamera angedacht war – das haben wir aus mehreren Gründen verworfen. Zum einen das steigende Bildrauschen im hohen ISO-Bereich, zum anderen die fehlende Möglichkeit, den internen Blitz als Master einzusetzen, und nicht zuletzt scheiterte es auch daran, dass Lightroom die Coolpix-Reihe nicht als Tether-Kameras unterstützt.

Welche Ideen habt ihr noch so, wie man eine Photo Booth auch aus heimischem Equipment zusammenstellen kann? Oder habt ihr bereits so eure Erfahrungen mit Photo Booths gesammelt? Wir sind gespannt!

  • Bernhard Münzer

    Wir haben einen alten Bilderrahmen vom Sperrmüll, den wir meistens mitnehmen, wenn wir auf Hochzeiten etc. eingeladen sind.
    Die Möglichkeit, mit dem Rahmen zu spielen, animiert die Gäste meistens, mehr Fotos mit einfallreichen Arrangements auszuprobieren.

    • http://adina-traut-sich.de/ Adina

      Ja, generell sind Requisiten eine tolle Möglichkeit, auch sonst eher fotoscheue Gäste zu begeistern und auch Spaß und Freude in die Fotos zu bringen. :)
      Wenn man Rahmen mag, aber kein antikes Stück zur Hand hat, kann man z.B. auch einfach aus heller Pappe einen „Polaroid“-Rahmen basteln.