Bridezilla in Panik

Oh nein, ich habe gewusst, dass das passieren würde! Seit wir unsere Location gefunden, einen Termin festgemacht und überglücklich den Vorvertrag unterschrieben haben, hatte ich tief in mir die dunkle Vorahnung, dass ich irgendwann zweifeln würde. Und nun sind sie da, die Zweifel! Verdammt…

Wir haben unsere Location sorgfältig ausgesucht. Sie befindet in der Nähe meines Geburtsortes – inmitten einer herrlichen Parkanlage, die sogar Teil einer Gartenbauausstellung war. Das Haus ist ein ehemaliges Rittergut, das Aussehen ist nicht kitschig-prunkvoll, aber beeindruckend – es ist ein schmuckes kleines Herrenhaus mit einem Springbrunnen davor. Zum Zeitpunkt unserer Hochzeit werden die Weinreben der gutseigenen Weinberge voller Trauben hängen. Es gibt kleine Seen in dem Schlosspark, einen romantischen Weinpavillion und ein kleines Wäldchen, durch das man gemütlich schlendern kann. Zum Schlosshotel, welches 14 Zimmer – die sich leider im fahrstuhllosen Obergeschoss befinden – sein eigen nennt, gehören auch einige charmante Ferienhäuser. Diese sind glücklicherweise zum Teil rollstuhlgerecht. Für die Übernachtungen ist somit gesorgt. Das rollstuhlgerechte Restaurant und der ebenso stufenlos zugängliche Festsaal des Schlosses sind wirklich geschmackvoll eingerichtet und das Essen ist einfach fantastisch. Zudem hat das Standesamt eine Außenstelle im Haus, was bedeutet, dass wir den ganzen Tag ohne lästiges Hin und Her im Haus feiern können. Sie sind dort sogar so flexibel, die Trauung bei schönem Wetter im Park vorzunehmen. Juchz!

Kurzum: Wir waren uns sicher, dass wir es nicht perfekter hätten treffen können. Hach, was waren wir glücklich! Mir war es fast egal, dass wir nicht die prunkvolle Hochzeitssuite im Obergeschoss beziehen werden können, da die schöne alte Holztreppe für mich zu hoch und steil ist. Wir werden die Hochzeitsnacht in einem eher schlicht möblierten Ferienhaus auf dem Schlossgelände verbringen – immerhin mit einem hübschen Ausblick auf das bei Nacht beleuchtete Schloss. Wir sagten uns, dass es immer irgendeinen Kompromiss geben wird. Die Hauptsache war, dass wir alle Gäste, die es benötigen (also, inklusive mir!), rollstuhlgerecht unterbringen können und dass das Haus uns eine schöne, unvergessliche Feier bieten kann. Und das kann es, da waren – und sind wir uns immer noch – sicher.

Also, warum die unnötigen Zweifel?
Die einfache, fast peinliche Antwort ist: Ich mache mich wohl selbst verrückt. Ich sah im Fernsehen zufällig ein Schloss, das sich ganz in der Nähe unserer Location befindet. Ich kannte es eigentlich, hatte es aber aus irgendeinem Grund bei unserer ausschweifenden, zeitintensiven Location-Suche für die Hochzeit außen vor gelassen. Es hat Türmchen und Erker, die ich schon immer liebte. Es hat, laut Website, rollstuhlgerechte Zimmer IM Schloss. Und da krochen die fiesen kleinen Zweifeltierchen aus den Tiefen meiner Seele und starrten mich mit ihren durchdringenden, tiefschwarzen Äuglein an. Haben wir vielleicht vorschnell eine Entscheidung getroffen? Haben wir uns übereilt entschieden, nicht alle Möglichkeiten überprüft? …die Perfektionistin in mir kreischt laut und hysterisch. Ich halte mir die Ohren zu und wippe wie ein traumatisierter Zoo-Elefant vor und zurück. Vor und zurück. Vor und zurück.

Hilfe, werde ich eine Bridezilla?! Ich weiß nicht so recht, aber ich sehe ein, dass ich mich jetzt streng zur Ruhe rufen muss. Ich oder sonst irgendjemand. Es wird immer irgendwo grüneres Gras geben – ich sollte aufhören, Vergleiche anzustellen, die mich nur wahnsinnig machen. Puh… So geht es wohl jeder Braut mal, oder? Oder?!

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